Netzthemen Produktivität

Pinboard wehrt sich gegen AGB von IFTTT – und fliegt raus

Geschrieben von David

IFTTT (If This Then That) war bislang meine Schaltzentrale im Internet. Mit unzähligen sogenannten Rezepten habe ich beispielsweise automatisch interessante Artikel von feedly zu todoist geschaufelt und Youtube Abonnements verwaltet. Ein großer Teil spielte dabei immer Pinboard eine zentrale Lesezeichenverwaltung, von dem ich schon immer großer Fan war und bin.

Gestern erhielten nun alle IFTTT-Nutzer, die den Pinboard-Kanal aktiviert haben eine Email, in dieser die Abschaltung eben dieses Kanals zum 4. April angekündigt wird. In dieser Email wird suggeriert, dass diese Abschaltung auf den Mist von Pinboard gewachsen ist und Pinboard (alleine) daran Schuld ist.

Doch da ist IFTTT bei Pinboard – in Person des Gründers Maciej Cegłowski – wohl an den falschen geraten. Als diese Meldung aufkam, dauerte es nicht lange, bis Cegłowski auf Twitter einiges klarzustellen hatte. Später verfasste er ebenfalls einen interessanten Blogpost:

Instead, sites that want to work with IFTTT will have to implement a private API that can change without warning.

This is a perfectly reasonable business decision. It is always smart to make other people do all the work.

However, cutting out sites that you have supported for years because they refuse to work for free is not very friendly to your oldest and most loyal users. And claiming that it’s the other party’s fault that you’re discontinuing service is a bit of a dick move.

Pinboard Blog

Der Hammer sind dann aber die AGB von IFTTT, denen Pinboard hätte zustimmen müssen um auf die neue Plattform „mitgenommen“ zu werden. Darin verpflichtet sich Pinboard u.a. eine 100-prozentige Kompatibilität zu IFTTT aufrecht zu erhalten und nötige, von IFTTT diktierte Veränderungen sofort umzusetzen.

Des Weiteren sieht IFTTT sich offenbar als Besitzer aller Inhalte, die über die IFTTT Plattform drüber laufen, also alle Inhalte wie z.B. Tweets, Texte und Fotos die via IFTTT zu anderen Diensten weitergeleitet werden.

Pinboard ist nur eines von vielen Services, die sich offenbar dagegen entschieden haben für IFTTT kostenlos zu entwickeln und tiefgreifende AGB (sowohl für die Nutzer als auch für den Betreiber) abzunicken. Erst letzte Woche war bekannt geworden, dass auch mit u.a. Readability, Last.fm und Yammer durchaus bekannte Dienste zum 4. April deaktiviert werden.

Bislang ist mir IFTTT nie negativ aufgefallen, allerdings habe ich mir schon mehr als einmal überlegt, wie das Business Modell von ihnen aussehen soll, so ganz ohne monatliche Gebühr und komplett kostenlos. Dieser Vorgang zeigt mir deutlich auf, in welche Richtung sich IFTTT entwickeln will: Daten der Nutzer sammeln, analysieren und möglicherweise irgendwann als riesige Datenbank an den Meistbietenden zu verkaufen. Genau wie bei Google ein Modell, das ich auf keinen Fall unterstützen möchte.

Ab sofort bin ich also auf der Suche nach einer sympathischeren Alternative zu IFTTT und werde natürlich alsbald wieder berichten. Pinboard selber schlägt als Alternative zu IFTTT Zapier und Botize vor, letzterer war mir bislang unbekannt und sieht ebenfalls vielversprechend aus.

Update: Es wird immer besser. Nun weint sich der CEO von IFTTT bei Hacker News aus, wie schwierig es doch ist eine Plattform zu entwickeln, bei der sich die APIs der verknüpften Dienste ständig ändern. Deshalb möchte er, dass Pinboard sein API verändert, er habe Pinboard doch so sehr ins Herz geschlossen.

Über den Autor

David